Europa leben – Schüler aus Parma zu Besuch in Friedberg

Gemeinsames Friedensprojekt in europäisches Erasmus-Programm aufgenommen

Die Schülergruppe in der Hessischen Staatskanzlei in einer Diskussionsrunde mit Staatsministerin Lucia Puttrich
Die Schülergruppe in der Hessischen Staatskanzlei in einer Diskussionsrunde mit Staatsministerin Lucia Puttrich
Die Schülergruppe vor der EZB in Frankfurt
Die Schülergruppe vor der EZB in Frankfurt

Das erfolgreiche deutsch-italienische Parma-Projekt der Johann-Philipp-Reis-Schule in Friedberg mit dem Liceo Bertolucci in Parma ging dieser Tage mit dem Gegenbesuch der Schüler und Lehrer aus Italien in seine nächste Runde. Das internationale Schüleraustauschprojekt genießt eine hohe Anerkennung: So erfolgte erst kürzlich die Aufnahme in das begehrte Erasmus-Programm der Europäischen Union, die mit einer finanziellen Förderung verbunden ist.

 

Als Schwerpunkte setzt sich das Projekt die Erinnerungsarbeit über die deutsch-italienische Geschichte während des Zweiten Weltkrieges sowie die Verständigung über die Zukunft in einem geeinten Europa. Das Projekt will zum einen bei den jungen Menschen die Erinnerung und das Gedenken wachhalten und zum anderen das Bewusstsein für die Bedeutung des geeinten Europas als friedenserhaltende Kraft stärken.

 

Im Juni dieses Jahres hatten Schüler der Johann-Philipp-Reis-Schule mit den Lehrern Otto Lomb, Eva Tinz und Claudia Einhoff eine Woche lang Parma besucht. Gemeinsam mit den Schülern und Lehrern des Liceo Bertolucci hatten sie Exkursionen unternommen und Projektarbeiten durchgeführt. Die Aufarbeitung der deutsch-italienischen Geschichte während des Zweiten Weltkrieges stand im Mittelpunkt, als sich die Gruppen in Marzabotto in den Apenninen einen Tag lang in Workshops mit dem dortigen Massaker der deutschen Wehrmacht an Zivilisten im Herbst 1943 auseinandersetzten. Weitere Workshops in Parma widmeten sich der Friedensarbeit und Zukunft in einem geeinten Europa. So arbeiteten die Schüler die ersten Annäherungen der einstmals befeindeten Länder nach dem Zweiten Weltkrieg sowie die Anfänge des europäischen Einigungsprozesses auf.

 

Kürzlich erfolgte nun der Gegenbesuch der italienischen Schüler mit ihren Lehrerinnen Silvia Cacciani und Giovanna Azzoni in Friedberg. Der erste Tag stand ganz im Zeichen der europäischen Verständigung: Nach einem vormittäglichen Workshop zum Thema Europa in der Schule besichtigten die 11 Schüler aus Parma und die 14 Schüler aus Friedberg in Frankfurt die Europäische Zentralbank sowie die Paulskirche.

 

Am Folgetag fuhr die Gruppe in die Landeshauptstadt Wiesbaden, um einen ganz außergewöhnlichen Termin wahrzunehmen: Bereits im April 2014 war Staatsministerin Lucia Puttrich zu Gast in der Johann-Philipp-Reis-Schule gewesen, um den Zuwendungsbescheid mit der finanziellen Unterstützung des Landes Hessen für das Parma-Projekt zu überreichen. Auf die Initiative von Projektleiter Otto Lomb hin wurde ein Besuchstermin vereinbart: So konnten die 25 Jugendlichen in der Hessischen Staatskanzlei mit Frau Puttrich diskutieren. Das fanden die Schüler nun wirklich bemerkenswert, dass sich eine hochrangige Politikerin so viel Zeit für sie nahm. Die Schüler beider Länder führten mit der Ministerin ein reges Gespräch über europäische Themen. Der Besuch wurde abgerundet mit einer Besichtigung des Hessischen Landtages, in dem die Schüler auch eine Debatte der Landesparlamentarier verfolgten.

 

Die Gaststadt Friedberg stand im Fokus des vorletzten Tages: Nach zwei Workshops am Vormittag unternahmen die Schüler eine Exkursion durch die Innenstadt und besichtigten die Burg, den Adolfsturm, das einzigartige Judenbad und die ehemalige Synagoge. Der Tag klang mit einem Grillabend aus, bei dem auch die Eltern der gastgebenden Wetterauer Schüler anwesend waren.

 

Die italienischen und die deutschen Beteiligten können stolz auf ihre bisherige Projektarbeit blicken: Die Schüler lernten und lernen vieles über die Vergangenheit und die friedensstiftende europäische Perspektive, die Unterstützung einer Ministerin sowie der EU wurde möglich, sowohl finanzieller Art als auch durch konkrete Begegnungen und Gespräche; junge Menschen aus Italien und Deutschland begegnen sich, werden in Gastgeberfamilien aufgenommen, Freundschaften entstehen. Denn das Projekt will sich nicht nur theoretisch mit Europa und dem Friedensgedanken beschäftigen, sondern ganz konkret auch Europa und friedvolles Miteinander leben. Wenn sich auf diese Weise junge Menschen verschiedener Länder begegnen und kennenlernen, werden sie niemals aufeinander schießen, so das Fazit von Projektleiter Otto Lomb.