Deutsch-italienische Geschichte im Zweiten Weltkrieg 

JPRS-ERASMUS-Projekt mit italienischer Partnerschule in Parma

Die Schüler der JPRS in Parma
Die Schüler der JPRS in Parma
Die JPRS-Schüler mit dem Präfekten von Parma
Die JPRS-Schüler mit dem Präfekten von Parma

„Today we make tomorrow through yesterday – Vom Massaker in Marzabotto bis zum Aufbau der Europäischen Union“ 

Seit September 2014 arbeiten die JPRS und das Liceo Attilio Bertolucci (Parma) im Rahmen eines von der EU geförderten zweijährigen Erasmusprojektes zusammen. Unter dem Leitthema „Today we make tomorrow through yesterday – Vom Massaker in Marzabotto bis zum Aufbau der Europäischen Union“ geht es darum, an die von SS-Einheiten im Jahr 1944 begangenen Massaker in Marzabotto und Sant’Anna di Stazzema zu erinnern, in denen ca. 770 bzw. 560 Zivilisten, vor allem Frauen, Kinder und alte Männer, getötet wurden. Die Schüler sollen die Hintergründe dieses leidvollen Kapitels der italienisch-deutschen Geschichte im Verlauf des Zweiten Weltkrieges ausleuchten, verstehen und aufarbeiten, um die Bedeutung der Europäischen Union als wichtige Rahmenbedingung für ein friedvolles Zusammenleben der Menschen in Europa schätzen zu lernen.


Die JPRS-Schüler lernen die italienische Gastfreundschaft kennen

Unter der Leitung von Otto Lomb, Eva Tinz, und Nathalie Reinke fuhren 15 JPRS-Schüler nach Parma. Dort wurden sie herzlich aufgenommen und bei ihren italienischen Gasteltern untergebracht – ein wesentlicher Bestandteil des Projekts, damit die Schüler die italienische Lebensweise kennenlernen können.

Am ersten Projekttag begann die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Thematik mit einem lebhaften Gespräch unter den italienischen und deutschen Schülern, bei dem es so manche Sprachbarrieren zu überwinden galt. Am Nachmittag stand der Besuch der Sehenswürdigkeiten von Parma auf dem Programm. Bedeutsam für das Projekt war die Besichtigung des Piazza Garibaldi – Ort der Hinrichtung von ca. 12 jungen Parmesianern während des Zweiten Weltkrieges. Am Abend waren alle Schüler und Lehrer bei den Großeltern eines gastgebenden Schülers zu einem gemeinsamen Imbiss im Garten des Hauses eingeladen, ein Ausdruck der zu recht gerühmten italienischen Gastfreundschaft und Herzlichkeit und ein Beispiel für die vielen Einladungen und persönlichen Begegnungen während der Projektwoche.


Zeitreisen in die Jahre 1943-45 – in ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte

Im Verlauf der Woche fuhr die Schülergruppe zu dem kleinen Dorf Sant‘ Anna di Stazzema in den Apulischen Alpen, neben Marzabotto der Ort, an dem das schlimmste Massaker an der italienischen Zivilbevölkerung durch deutsche Truppen verübt worden war. Am 12.8.1944 überfiel die 16. SS-Panzergrenadierdivision „Reichsführer SS“ das Dorf unter dem Vorwand, Partisanen zu bekämpfen. 560 Bewohner, darunter auch schwangere Frauen, wurden ermordet, nur wenige entkamen. Enrico Pieri, der das Massaker als 10-Jähriger überlebte, schilderte mit großer emotionaler Betroffenheit den Schülern seine damaligen Erlebnisse. Seine ganze Familie wurde an diesem Tag getötet. Jeweils eine italienische Schülerin und ein deutscher Schüler durften einen Brief von Enrico Pieri verlesen, in dem dieser seine damaligen Erlebnisse schilderte und sich nachdrücklich für ein geeintes Europa als Garant für einen dauerhaften Frieden einsetzte.


Tragische Einzelschicksale aus dem Moloch Zweiter Weltkrieg

Im Rahmen des Projektes rückten die italienischen Gastgeber auch die Resistenza, den Widerstand der Italiener gegen die deutsche Besatzungsmacht, in den Fokus. So kam es zu einer Begegnung mit Dr. Franco Lori, dem Sohn des erst kürzlich verstorbenen ehemaligen Partisanen Renato Lori. Dr. Lori berichtete über die Erlebnisse seines Vaters in den Jahren 1943 – 1945. Am letzten Projekttag stand die Geschichte des deutschen Soldaten Otto Zeller im Mittelpunkt, der an der Besetzung Italiens teilgenommen hatte, daraufhin im Partisanenkampf eingesetzt war und 1944 im Alter von 20 Jahren von italienischen Partisanen erschossen wurde. Auf der Basis von Originalfotos aus Beständen der Familie erarbeiteten die Schüler einen Aufriss seines kurzen Lebens und befassten sich anhand eines Briefes, in welchem dem Vater des Soldaten dessen „Heldentod“ mitgeteilt wurde, mit seinem Tod. Insbesondere durch die Personalisierung des Krieges und dem Nachzeichnen der Kriegsmechanismen am Beispiel der Schicksale ganz konkreter Menschen, sei es der italienische Partisan Renato Lori, das italienische 10-jährige Kind Enrico Pieri oder der junge deutsche Soldat Otto Zeller, konnten die Schüler einen persönlichen und emotionalen Bezug entwickeln.


Besuch des jüdischen Museums und der Synagoge in Soragno

Den Abschluss der Projektwoche bildete der Besuch des jüdischen Museums und der Synagoge in Soragno, wo die sachkundige Museumsleiterin das jüdische Leben und Beten lebendig veranschaulichte und den Vernichtungskrieg gegen die Juden vor Augen führte. Die Schüler lernten die Verfolgungssituation der italienischen Juden am Schicksal von vier Kindern aus Parma kennen, die direkt nach ihrer Ankunft im Konzentrationslager Auschwitz vergast wurden.


Fazit: Vollgepackt mit zahlreichen Erlebnissen, Erkenntnissen und Erfahrungen machte sich die deutsche Schülergruppe dann auf den Weg zurück in die Heimat. Schon jetzt stellt sich die Vorfreude auf das Kommen der etwa 25 italienischen Schüler ein, die Ende September zum Gegenbesuch in Friedberg verweilen werden.

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