Von der gemeinsamen Geschichte lernen!

Italienische Schüler aus Parma kamen zum Gegenbesuch an der JPRS

Schüler arbeiten im Workshop Europa, rechts Lehrerin Eva Tinz
Schüler arbeiten im Workshop Europa, rechts Lehrerin Eva Tinz
Die deutsch-italienische Gruppe vor dem Adolfsturm
Die deutsch-italienische Gruppe vor dem Adolfsturm

Schülerprojekt im Rahmen des EU-ERASMUS-Programms

Seit September 2014 arbeiten die Johann-Philipp-Reis-Schule in Friedberg und das Liceo Attilio Bertolucci in Parma im Rahmen eines von der EU geförderten zweijährigen ERASMUS-Projektes „Today we make tomorrow through yesterday – Vom Massaker in Marzabotto bis zum Aufbau der Europäischen Union“ zusammen. Die Schülerinnen und Schüler sollen die leidvollen Kapitel der italienisch-deutschen Geschichte im Verlauf des Zweiten Weltkrieges kennenlernen und die Bedeutung der Europäischen Union als Rahmenbedingung eines friedlichen Zusammenlebens der Menschen in Europa schätzen lernen.


Italienische Schüler zum Gegenbesuch in Friedberg

Im September reisten nun 27 italienische Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrerinnen und Lehrern zum Gegenbesuch nach Friedberg. Das Projektteam der Johann-Philipp-Reis-Schule rund um die Lehrer Otto Lomb, Eva Tinz und Nathalie Reinke hatte ein dicht gepacktes Programm vorbereitet. Die Schüler wurden vom Friedberger Bürgermeister Michael Keller höchstpersönlich begrüßt, der in seiner Rede auch auf die seit langem bestehende Partnerschaft Friedbergs mit der italienischen Gemeinde Magreglio einging. Stadtarchivar Lutz Schneider hatte sich bereit erklärt, die Gäste über die Lage der italienischen Zwangsarbeiter in Friedberg und der Wetterau zwischen den Jahren 1943 – 1945 zu informieren. Bei einem Besuch der Gräber von Zwangsarbeitern und des Grabes von Henry Benrath auf dem Friedberger Friedhof konnten die Teilnehmer das im Vortrag Erfahrene eindrucksvoll vertiefen.


Schüler-Workshops zu Vergangenheit und Zukunft von Europa

Im Rahmen eines Workshops widmeten sich die Schülerinnen und Schüler dem zweiten Teil des ERASMUS-Projektes, geht es doch in diesem nicht nur um die Vergangenheit, sondern auch um die Zukunft, konkret um die Bedeutung der Europäischen Union für ein friedliches Zusammenleben der Völker Europas.


Treffen mit Überlebenden des Holocaust/Besuch der Frankfurter Synagoge

Am nächsten Tag trafen die deutschen und italienischen Teilnehmer des Projekts zwei überlebende polnische Häftlinge von Konzentrationslagern, die auf Einladung des Maximilian-Kolbe-Werkes und der Diözese Mainz im Haus St. Gottfried in Ilbenstadt Schülern in Gesprächen ihre Erlebnisse aus der Zeit ihrer Haft in nationalsozialistischen Konzentrationslagern schilderten. Die italienischen Schülerinnen und Schüler konnten mit Frau Alodia Witaszek sprechen, die unter anderem in einem Kinderkonzentrationslager als Fünfjährige (!) inhaftiert war. Die deutschen Jugendlichen erfuhren mehr über das Leben von Dominika Adamczewska, die als Sechsjährige mit ihrem Bruder und der Mutter ins KZ Majdanek kam. Die Begegnung mit den Überlebenden hinterließ bei beiden Schülergruppen einen tiefen Eindruck. Der Holocaust und das Judentum sind integraler Bestandteil des ERASMUS-Projektes, daher war der Besuch der Frankfurter Synagoge im Westend ein wichtiger Programmpunkt. Für viele Schülerinnen und Schüler war der Besuch dieser beeindruckenden Frankfurter Synagoge der erste Besuch eines jüdischen Gotteshauses überhaupt.

 

Projektfahrt ins Konzentrationslager Dachau

Gegen Ende der Projektwoche fuhren die italienischen und deutschen Projektbeteiligten nach Dachau, um die dortige Gedenkstätte, das ehemalige Konzentrationslager, zu besuchen. Die wohl nachhaltigste Erfahrung hatte eine italienische Schülerin, deren Urgroßvater als italienischer Soldat in Dachau interniert war. Die Schülerin berichtete ferner, dass der Urgroßvater in seiner Familie niemals über seine Erfahrungen in Dachau gesprochen hatte. Weder die italienischen Mitschüler noch die sie begleitenden Lehrer wussten vorher von dieser tragischen Lebensgeschichte.


Zum Abschluss – ein gemeinsamer Erkundungsrundgang durch München

In München besuchte die Gruppe die Aufmarschplätze der Nationalsozialisten, u.a. die Feldherrnhalle und den Odeonsplatz. Natürlich blieb auch genug freie Zeit für eine Stadterkundung, etwa für den Besuch des Deutschen Museums, sodass der Tag und die gesamte Woche nicht nur mit bedrückenden Erfahrungen enden konnte.

 

Fazit: Alle beteiligten Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte freuen sich schon auf das Wiedersehen in Parma im April 2016.