"Die Leute haben kein Brot? Sollen sie doch Kuchen essen!" *

JPRS-Metzger- und Bäckerlehrlinge zu Besuch bei Partnerschule in Chaumont

Bäckerei: franz. Lehrer Oliver Suc, Fr. Hund, Hr. Zinn
Bäckerei: franz. Lehrer Oliver Suc, Fr. Hund, Hr. Zinn

Zu den vielfältigen Kooperationen der JPRS gehört auch der regelmäßige Erfahrungsaustausch mit der CFA Interpro de la Haute-Marne in Chaumont. Gefördert wird diese Kooperation vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW).

 

Im Februar dieses Jahres hatten Bäcker- und Metzgerlehrlinge aus Chaumont die JPRS besucht, um die Region zu erkunden und in der schuleigenen Metzgerei und Bäckerei an Projekten zu arbeiten. Kürzlich fuhren sieben Bäckerlehrlinge, acht Bäckerei-Fachverkäuferinnen und sieben Metzgerlehrlinge, betreut von den JPRS-Fachlehrern Eva Maria Hund, Holger Buss, Matthias Zinn und dem technischen Assistenten der Schule Thorsten Lux, zum Gegenbesuch nach Frankreich.

 

Das Nahrungsmittelteam der CFA Interpro unter der Leitung von Jean-Francois Lagnes bot den Gästen aus Friedberg ein abwechslungsreiches Programm: u.a. eine Stadtbesichtigung von Chaumont, inklusive einer Führung durch ansässige Metzgereien, Bäckereien und Brauereien. Höhepunkt war die Exkursion ins nahe gelegene Nogent, dem Zentrum der Messerschmiedekunst im Departement Haute-Marne. Dort besuchten die Lehrlinge das überregional bekannte Schneidwarenmuseum. Der anschließende gemeinsame Bowling-Abend förderte das gegenseitige Kennenlernen.

 

In der Schulbäckerei und -Metzgerei der CFA, arbeiteten die Lehrlinge aus Friedberg und Chaumont an gemeinsamen Projekten. Unterstützt von den französischen und deutschen Fachlehrern, waren die Schüler während der Projektwoche damit beschäftigt originelle Nahrungsmittelprodukte zu kreieren, zu planen und herzustellen. Die Projektwoche klang dann mit einem Abendessen im schuleigenen Restaurant aus, wobei auch die von den Lehrlingen hergestellten Leckereien (Backwaren, Würste etc.) serviert und verköstigt wurden.

 

 

Fazit: Durch die gegenseitigen Besuche lernten die Berufsschüler viel Interessantes über Ausbildung, Nahrungsmittelherstellung und regionale Produkte des jeweiligen Partnerlandes. Davon profitieren die Lehrlinge im Hinblick auf die Handwerksausbildung, den kulturellen Austausch und eine mögliche spätere Tätigkeit innerhalb der EU. Das JPRS-Nahrungsmittelteam und Schulleiterin Jutta Tschakert freuen sich bereits auf den Gegenbesuch der Gäste aus Chaumont in Friedberg im nächsten Frühjahr.

 

* im 17. Jahrhundert bereicherten helle Brotsorten aus feinem Mehl die Küchen reicher Stände, die normale Bevölkerung aß grobes, dunkles Brot. Weißbrot galt noch im 17. Jahrhundert als purer Luxus. Der Brotpreis galt als sensible Größe und führte immer wieder zu Revolten (übrigens bis in die heutige Zeit). Bekannt ist etwa das Zitat: "Die Leute haben kein Brot? Sollen sie doch Kuchen essen!", das der französischen Königin Marie Antoinette – wenngleich fälschlicherweise – zugeschrieben wurde. Als das erzürnte Volk 1789 das Schloss von Versailles stürmte, ging es nicht nur um Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit – sondern auch um explodierende Brotpreise. Und diese kosteten die Königin schließlich, im wahrsten Sinne des Wortes, den Kopf. Übrigens: Die aus der Revolution resultierende Brotpreisregulierung wurde in Frankreich erst 1978 (!) aufgehoben. Mit der Verbreitung des Bäckerberufs organisierten sich auch in deutschen Landen neue Zünfte. So unterschied man zwischen den Schwarz- und Weißbäckern. In Süddeutschland bildete sich die Zunft der Lebküchner, während sich in den Hansestädten die Bäcker von Schiffszwieback als Hartbäcker organisierten.

Monster Bildergalerie vom Besuch Chaumont (57 Fotos)

Fotos: Thorsten Lux