BBV Schwerpunkt Holztechnik/Waldschule/Ökologie

Beschreibung: Vorbereitung auf die Berufs- und Arbeitswelt

 

Ziel: Hauptschulabschluss oder qualifizierter Hauptschulabschluss

 

Fortbildungsmöglichkeiten: 

  • Berufsfachschule
  • Berufsausbildung

 

Voraussetzungen:

  • Vollzeitschulpflicht (9 Jahre) muss erfüllt sein

 

Dauer: 1 Jahr 

 

Anmeldung: bis zum 30. April des jeweiligen Kalenderjahres

 

Besonderheiten des Schwerpunkts:

  • Es wird Wert gelegt auf Pünktlichkeit,Beständigkeit, Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit.

 

Unterrichtsablauf: 

Projektorientierter und Arbeitsweltnaher Unterricht mit realen Arbeitsaufträgen aus Wirtschaft und Kommunen

 

Praktikum:

  • Schwerpunkt als zusätzliche fachliche Qualifikation zum Abschluss

 

Vorteile der JPRS:

  • Es wird in dieser Schulform sehr berufsbezogen und projektorientiert gearbeitet.
  • Schülern erhalten einen realistischen Einblick in die Berufswelt.

 

 

Ansprechpartner:

Frederik Weiss

E-Mail: Weiss@jprs.de


Der Wald als pädagogisches Umfeld


Seit Anfang des Schuljahres 2005/2006 gestaltet die JPRS ein neues pädagogisches Konzept. Im Projekt „Waldschule“ bietet sie im Rahmen der Berufsvorbereitung Jugendlichen ein neues, anderes pädagogisches Umfeld an – den Wald. 

 

Förderung von Selbstbewusstsein und sozialer Kompetenz

Da die meisten BBV-Schülerinnen und Schüler durch das formale, räumliche Umfeld „Schule“ in ihrer Motivation und Leistungsbereitschaft zurückgesetzt werden und die traditionellen schulischen Maßnahmen eher kontraproduktiv sind, bietet die praktische Arbeit mit den Jugendlichen im Wald ein Medium, welches Selbstbewusstsein und soziale Kompetenzen stärkt. Getragen wird dieses Projekt von einem multidiziplinären Team, welches sich aus erfahrenen arbeitstechnischen Fachlehrerinnen und Fachlehrern aus den Bereichen Holz und Metall sowie Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen zusammensetzt. 

 

Unfassende materiell-technische Ausstattung 

Um den Schwerpunkt „Waldschule“ zu ermöglichen, bedurfte es einer intensiven und engagierten Vorbereitung durch den Koordinator Klaus Kamm und den Fachlehrkräften seiner Abteilung. Dazu wurden Vereinbarungen mit Forstämtern getroffen, Ausrüstung angeschafft und die entsprechende Logistik vorbereitet. Zur materiell-technischen Ausstattung gehört die Grundausrüstung für die Wald- und Forstarbeit wie Hand- und Motorsägen, Äxte, Spalthämmer und u.a.. Der Förderverein der Schule stellt das eigene Fahrzeug zum Transport der Schüler zu Verfügung und unterstützt damit das Projekt in einem sehr wichtigen Punkt. 

 

Praktiken der Forstwirtschaft unter fachmännischer Anleitung

Die Jugendlichen können sich zwei Mal in der Woche in verschiedenen Praktiken der Forstwirtschaft wie Holzrücken und  -legen sowie der Flurbereinigung betätigen. Zu ihren Aufgaben im Forstgebiet zählt weiterhin das Anfertigen von Horten zur Einzäunung von Schonungen, die vorher mit den zuständigen Revierleitern abgesprochen sind. Diese werden direkt vor Ort angefertigt und später aufgestellt. In den so entstehenden Schonungen werden im Frühjahr unter fachmännischer Anleitung von den gleichen Schülerinnen und Schülern Jungpflanzen aufgeforstet. 

 

Arbeit im Wald – eine Herausforderung Abseits des schulischen Umfeldes

Die teilweise mühevolle Arbeit im Wald, mit den unberechenbaren Wetterbedingungen, ist eine Herausforderung besonderer Art. Abseits des gewohnten schulischen Umfeldes, wo man sich schnell mal den gestellten Aufgaben entziehen kann, gelingt es den Pädagoginnen und Pädagogen immer wieder, die zum Teil schulaversierten Jugendlichen zur Teamarbeit zu motivieren.

 

Schüler organisieren und arbeiten gemeinsam in Kleingruppen 

Neben den unbedingt einzuhaltenden Sicherheitsrichtlinien müssen sich die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen organisieren und zusammenarbeiten. Für die meisten eine Schwierigkeit für sich – sind sie doch von der Schule eher gewöhnt, sich „unterhalten zu lassen“, müssen sie sich im Holz mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern auseinander setzen und aufeinander verlassen. Die gespaltenen Stämme werden am Wegrand aufgesetzt und damit für den Forstverkauf vorbereitet. Dabei wird auch durch die Umrechnung von Fest- in Raummeter die Mathematik praxisorientiert zur Anwendung gebracht. Den Schülerinnen und Schülern gelingt es zwischen Stückholz und Scheitholz, sowie Schüttraummeter und Raummeter zu unterscheiden und mit diesen Größen zu rechnen.

 

Unfassende körperliche Aktivitäten sorgen für Aggressionsabbau

Vielen der Jugendlichen sind solche Arbeiten fremd, in ihrem häuslichen Umfeld fehlen oft sportliche und körperliche Aktivitäten. Einige leiden an Bewegungsmangel, dessen Folgen sich in Haltungsschäden, auffälligen Bewegungsabläufen und fehlender physischer Ausdauer und Belastbarkeit darstellen. Kompensatorisch soll das Projekt „Waldschule“ dem Aggressionsabbau dienen und sich positiv auf die Ausgeglichenheit der Jugendlichen auch in allen anderen Bereichen des schulischen und sozialen Umfeldes auswirken.   

 

Entwicklung von Kommunikationsfähigkeit und –bereitschaft

Zu jeder muskelraubenden Tätigkeit gehört immer auch ein gemeinsames Frühstück - im Wald natürlich. Insbesondere durch diese offene Form sollen die Kommunikationsfähigkeit und –bereitschaft entwickelt werden. Dies gelingt den Pädagoginnen und Pädagogen nur durch den Aufbau von Vertrauen zu ihren Schülern. Nach Rückkehr in die Schule werden die Fahrzeuge und Werkzeuge gereinigt und eine gemeinsame Reflexion - begleitet von den Lehrkräften, durchgeführt. Am folgenden Tag hat der eine oder andere Muskelkater – somit wird die Arbeit mit allen Sinnen erlebt. 

 

Nachhaltige erzieherische Impulse

Das Projekt „Waldschule“ setzt aus sich heraus gewaltige erzieherische Impulse. Die Pädagoginnen und Pädagogen versuchen, intentionale und funktionale Erziehung miteinander zu verbinden, um die Sozial- und Lebenskompetenzen der Jugendlichen zu stärken und die emotionale Intelligenz zu fördern. Die Schule muss hier quasi mit diesem Projekt einspringen, um in anderen Bereichen der schulischen Bildung Erfolge erzielen zu können.

 

Gewinner des „Innovationspreis Berufliche Schulen in Hessen“ 2008

Die Johann-Philipp-Reis-Schule hat mit ihrem Projekt „Waldschule“ einen der begehrten Preise im Wettbewerb „Innovationspreis Berufliche Schulen in Hessen“ 2008 gewonnen. Dieser Preis, der von der Vereinigung Hessische Unternehmerverbände (vhu) und dem Kultusministerium ausgelobt wurde, wird jedes Jahr an berufliche Schulen vergeben, die neue und erfolgreiche Bildungskonzepte erarbeitet haben.

 

Verleihung des Umweltschutzpreises des Wetteraukreises 2009

Im Jahre 2009 wurde der Johann-Philipp-Reis-Schule der Umweltschutzpreis für Schülerinnen und Schüler des Wetteraukreises verliehen. Der Wetteraukreis würdigte mit dieser Verleihung das nachhaltige und langjährige Engagement der JPRS auf dem Gebiet des Natur- und Umweltschutzes.

 


Di

22

Sep

2015

JPRS als "Umweltschule" ausgezeichnet

Feierliche Preisverleihung am 16.09. 2015 in Hanau 

Umweltstaatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser, Klaus Kamm, Jutta Tschakert, Claudia Henske, Thorsten Lux  (Alle JPRS) und Kultusstaatsekretär Dr. Manuel Lösel bei der Übergabe der Urkunde
Umweltstaatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser, Klaus Kamm, Jutta Tschakert, Claudia Henske, Thorsten Lux (Alle JPRS) und Kultusstaatsekretär Dr. Manuel Lösel bei der Übergabe der Urkunde

Preisverleihung durch hessischen Kultusstaatsekretär und Kultusstaatsekretärin

Kultusstaatsekretär Dr. Manuel Lösel und Umweltstaatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser haben in Hanau an der Eugen-Kaiser-Schule 103 Schulen als „Umweltschulen“ ausgezeichnet.

„Heute möchten wir die hessischen Schulen als Umweltschulen würdigen, die ganz nach dem Motto ‚Lernen und Handeln für unsere Zukunft‘ mit spannenden und kreativen Ideen zu einer besseren Umwelterziehung und ökologischer Bildung im Unterricht und im gesamten Schulleben beitragen. Nicht zuletzt die große Anzahl, die in diesem Jahr das Zertifikat neu oder erneut erhalten haben, macht uns als Landesregierung überaus stolz und zeigt den Erfolg der Initiative“, sagten Lösel und Tappeser im Rahmen der Feierstunde. 


Ausgezeichnete ökologische Waldschule-Aktivitäten des JPRS-Fachbereichs Bildungsgänge zur Berufsvorbereitung

Die JPRS gehörte durch die Waldschule-Aktivitäten des Fachbereiches Bildungsgänge zur Berufsvorbereitung zu den als "Umweltschule" ausgezeichneten hessischen Schulen. Das ambitionierte JPRS-Ökologie-Projekt verknüpft die Förderung ökologischen Bewusstseins mit der Motivation durch handwerkliche Arbeit Produkte zu gestalten, welches sinnvolle Anwendung finden. Wie zum Beispiel die Fertigung von Hordengattern, die in der Forstwirtschaft als Einzäunung und Schutz des Jungwaldwuchses gegen Wildverbiss eingesetzt werden. Die Gatter wurden aus unbehandeltem Holz (Fichte oder Kiefer) gefertigt und sind im Gegensatz zu Schutzmöglichkeiten wie Drahtzäunen ökologisch abbaubar, d.h. sie kommen nach jahrelangem Einsatz wieder dem Waldboden zugute (Selbst die Nägel bauen sich ab).

 

Projekt „Umweltschule - Lernen und Handeln für unsere Zukunft“

Das Projekt „Umweltschule - Lernen und Handeln für unsere Zukunft“ ist eine gemeinsame Initiative des Hessischen Kultusministeriums und des Umweltministeriums. Ausgezeichnet werden Schulen für ihr besonderes Engagement im Bereich Umwelterziehung und ökologische Bildung. Gewürdigt wird die Verbesserung der Qualität von Unterricht und Schulleben im Sinne der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Unterstützt werden die Schulen in diesem Prozess vom Beratungsnetzwerk der hessischen Umweltbildungszentren und einer zentralen Landeskoordination. Auf ihrem Weg zur Verbesserung der Qualität von Unterricht und Schulleben im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung werden den teilnehmenden Schulen Fortbildungen, Fachtagungen und persönliche Hilfestellung angeboten. 2012 wurde die Initiative „Umweltschule“ von der Deutschen UNESCO-Kommission als „Offizielle Maßnahme der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet.

 

Unsere Gesellschaft aktiv mitgestalten

„Mit den Umweltschulen können wir als Landesregierung junge Menschen dazu motivieren, unsere Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Die heute ausgezeichneten Schulen sind wichtige Lernorte für die Generationen, die in der Zukunft die Verantwortung übernehmen werden“, erläuterten Lösel und Tappeser. Außerordentlich erfreulich sei zudem, dass sich die „Umweltschule“ als eine der hessischen Nachhaltigkeitsinitiativen fest etabliert hat und damit wichtiger Bestandteil des hessischen Maßnahmenplans geworden ist.

Seit 2011 werden südhessische und nordhessische Schulen jährlich wechselnd ausgezeichnet. Das bedeutet gleichzeitig, dass sich der Zeitraum für die Projektarbeit der Schulen auf zwei Jahre ausdehnt und dementsprechend auch die Auszeichnung für zwei Jahre Gültigkeit besitzt. „Die Schülerinnen und Schüler haben auch in diesem Jahr wieder eindrucksvoll gezeigt, dass sie ihre Schule nicht nur als reinen Ort der Wissensvermittlung ansehen, sondern ebenso als eine Möglichkeit nutzen, ihr Lebensumfeld nachhaltig mitzugestalten. Dafür möchten wir allen teilnehmenden Schulen ganz herzlich danken“, so Lösel und Tappeser abschließend.